Staatsoper 'Unter den Linden' Berlin: Waagner-Biro verantwortet die gesamte Bühnentechnik

2. Oktober 2017 - Wien/Berlin: Morgen, am 3. Oktober 2017, wird die Staatsoper Berlin nach mehreren Jahren umfassender Renovierung wiedereröffnet. Das traditionsreiche Opernhaus, das ursprünglich 1742 eröffnete, wurde in seiner über 250-jährigen Geschichte – bedingt durch Brände und Kriegsschäden, - mehrfach grundlegend umgebaut. Das geschah zuletzt in den 1950er Jahren nach Plänen des Architekten Richard Paulick (1903 – 1979). Seit 1979 steht die Staatsoper Berlin unter Denkmalschutz.

Nach über 50 Jahren Spielbetrieb bestand nun grundlegender Sanierungsbedarf für den Gebäudekomplex (Zuschauerraum, Bühnenraum, unterirdisches Bauwerk, Probenzentrum, Intendanz). Die Zielsetzung dabei war nicht nur, das Gebäude behutsam zu sanieren, sondern auch eine technische Anpassung an einen zeitgemäßen Spielbetrieb vorzunehmen. So wurde etwa das Volumen des Zuschauerraums durch Anheben der denkmalgeschützten Decke vergrößert.

Die umfangreiche Bühnentechnik von Waagner-Biro besteht aus der kompletten Obermaschinerie, der Vorbühne, diversen Installationen im Zuschauerraum sowie einer hochmodernen Untermaschinerie mit einer Vielzahl an Podien und auch einem Bühnenwagensystem. Die einfache Steuerung dieser komplexen Anlage mit ca. 280 Antriebsachsen funktioniert über das bewährte CAT-Steuerungssystem von Waagner-Biro.

Projekt neuer Dimension

Für Waagner-Biro ist dieses Projekt eines der größten in der Unternehmensgeschichte. Nicht nur die komplexe Technik, sondern auch die baulichen Gegebenheiten waren eine große Herausforderung.

Nach den Eröffnungsfeierlichkeiten zwischen 30.09 und 8.10.2017 – die offizielle Eröffnung findet am 3. Oktober statt – werden die Pforten der Staatsoper nochmals für einige Wochen zur Durchführung restlicher Renovierungsarbeiten geschlossen. Die Wiederaufnahme des regulären Spielbetriebs erfolgt am 7. Dezember 2017, zum 275. Jubiläum des Opernhauses.

Aufwendige Modernisierung der Bühnentechnik

Nach dem Ausbau der bestehenden Bühnentechnik wurde das Gebäude zunächst mit Ankern gegen ein Aufschwimmen gesichert. Im nächsten Schritt wurde eine bis zu 3,2 cm dicke Stahlblechabdichtung eingebracht. Dieses Prinzip der Abdichtung kommt aus dem Schiffsbau.

Im Bühnenturm erfolgte zeitgleich und parallel zu den Außenwänden der Einzug eines Stahltragewerks, das die Lasten der Obermaschinerie als auch des Dachs selbst in die Pfeiler des Bestandsfundaments überträgt.

Nach dem erfolgreichen Einbau des Schnürbodens sowie der Rollenbänke inkl. Rollenböcke erfolgte die Montage von fünf Galerieebenen auf der linken und rechten Seite des Bühnenturms. Zudem wurden hinter den Galerien abgehängte, schallisolierte Maschinenräume geschaffen. Darin wurden beidseitig auf zwei Ebenen 107 Winden - unter anderem Schwerlast- sowie Prospektzüge als stehende Winden (Zero fleet winch) – montiert, welche zuerst einmal 10 Meter in die Höhe gezogen werden mussten. Der Einbau konnte innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen werden. Zur akustischen Optimierung wurden alle Winden auf elastischen Lagerungen platziert.

Mit der Installation der Untermaschinerie wurde im Sommer 2015 begonnen. Dabei umfasste die Größe der Baugrube enorme 7.000 m³ (21 x 29 x 11,5m). Um den ursprünglich geplanten, engen Terminplan einhalten zu können, wurde in der Designphase entschieden, so viele Teile wie möglich bereits außerhalb der Staatsoper zusammenzubauen. Das schwerste eingebrachte Teilstück wog 8,8 Tonnen. Für die Einbringung dieser Teile wurden von Waagner-Biro eigens 2 Kräne konstruiert und eingebaut.

Die Hauptbühne besteht aus insgesamt acht Podien, von denen vier als Doppelstockpodien ausgeführt sind. Die Fläche der gesamten Bühne beträgt 1.330 m². Die Steuerung der gesamten Bühnentechnik – bestehend aus ca. 280 Antriebsachsen – erfolgt über die Waagner-Biro CAT Steuerung.

Adaptierungen auch im unterirdischen Bauwerk 

Im Unterirdischen Bauwerk (unterirdische Transportwege sowie Betriebsräume) werden etwa Dekorationselemente in Lagerwagen witterungsunabhängig und zeiteffizient transportiert. Es dienst zudem der internen logistischen Erschließung der einzelnen Gebäude der Staatsoper. Daher wurden notwendige technische Betriebsräume im unterirdischen Bauwerk untergebracht. Sämtliche Versorgungsleitungen, wie zum Beispiel Elektro-, Heizungs-, Kälte- und Feuerlöschleitungen, verlaufen durch das unterirdische Bauwerk, weshalb dieses von besonderer Bedeutung für die technische Versorgung des Opernhauses ist.

Dieser Teil des Bauwerks wurde im Rahmen der Generalsanierung neu geschaffen und dient der Verbesserung der Organisationsprozesse im Rahmen des Spielbetriebs. Während der Aufführungen wird der unterirdische Transportweg zur Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufes genutzt. Dieser schließt in der Berliner Seitenbühne (Linke Seitenbühne) an die Hauptbühne an und beinhaltet unter anderem ein frei verfahrbares Bühnenwagensystem, bestehend aus zwölf 2x1 m Antriebseinheiten für  Bühnenwägen und Dekorationen.

Probenzentrum mit gleichen Dimensionen

Ebenfalls im Auftrag enthalten war die Schaffung eines Probenzentrums für das Staatsballett, den Chor und das Orchester. Dieses umfasst die gleichen Dimensionen wie die Hauptbühne im Opernhaus. So hat das Ensemble der Staatsoper zum ersten Mal die Gelegenheit in den originalen Kulissen und der gleichen Bühnengröße wie im Opernhaus zu proben. Hier verbaute Waagner-Biro ein Hubpodium zu Transportzwecken.